Der immergrüne Weltenbaum - eine Augenweide

Die süßesten Mäuse, die drolligsten Erdzwerge, die anmutigsten Schwäne, aber auch das schwärzeste Böse -

Schwäne

- wie sie alle auf der Bühne der Mehrzweckhalle in ihren tollen Kostümen höchst konzentriert vor einem bombastischen farbenfrohen Bühnenbild tanzten, das war eine wahre Augenweide. Aus den Lautsprechern tönten eingangs sphärische Klänge. Das Universum, nicht zu überhören, aber auch, dass nicht nur das Bühnenbild, die Einstudierung, auch die Tontechnik. Galaktische Musik stimmte ein auf das Thema der diesjährigen Tanzgala der Tanzabteilung der Städtischen Musikschule Rottenburg: In „Der immergrüne Weltenbaum“ geht es um nichts Geringeres als den Ursprung des Lebens.  Nadine Kammermeier hat für ihre Biennale eine fantasievolle Geschichte über den Weltenbaum geschrieben, die sie für ihre über 200 Tänzerinnen und Tänzer auch selbst choreographierte: Aus einem goldenen Korn geht der Weltenbaum auf, der liebevoll die Welt umspannt und dessen Herz das pure Leben ist. Die Bewohner des Waldes erfreuen sich unter seinem Schutz des Lebens, feiern ausgelassen. Doch das Böse ist neidisch, entreißt dem Baum das Leben. Daraufhin machen sich die Hüterinnen des Baumes, die Schwestern Freya und Thalia, auf den Weg, das Leben zurückzuholen. Es wird eine abenteuerliche Reise. Die Geschichte ist eine schöne Fabel, die uns mit auf den Weg gibt, auf die Natur zu achten.

In ihre Choreographie hat Kammermeier auch etliche Solotänze und Schauspieleinlagen eingebaut. Vorweg ist da Karina Scheubeck (Thalia) zu nennen, die mit wunderschöner Stimme einen eigens für die Aufführungen komponierten Song über das Erwachsenwerden sang. Weitere Solistinnen waren Emily Weitzer (Freyja), Franziska Vilser (Katze), Laura Krein (Kolibri), Ilka Leopoldseder (das Böse), Patricia Wendl (Gaia, die Mutter Erde), Veronika Burger (goldenes Korn), Celina Graf (Norne), Eva Weinmann (Norne), Paulina Hagl (Norne), Leoni Fakundiny (Fee des Tages) und Maria Haneder (Fee der Nacht).

Was im Vordergrund den Zuschauern in der vollbesetzten Mehrzweckhalle über zwei Stunden lang eine anspruchsvolle Jazzdance- und Ballettvorführung bot, bedeutete im Hintergrund eine logistische Meisterleistung. Allein, dass die über 200 Akteure, die jüngsten im Vorschulalter, zur richtigen Zeit, in der richtigen Reihenfolge den richtigen Aufgang zur Bühne gehen, ist eine Herausforderung. Nicht umsonst dankte Schulleiter Hartmut Brauß, als er die Gäste, besonders die Landtagsabgeordnete Ruth Müller sowie die Ersten Bürgermeister Alfred Holzner und Andreas Rumpel (Rohr) begrüßte, seiner Kollegin für ihren großen Einsatz für die Musikschule. Kammermeier habe „gefühlt Jahre“ auf diese Aufführung hingearbeitet, meinte er. Allein schon für alle die passenden Kostüme zu suchen, zu besorgen oder Musiktitel auszuwählen, die für Tänzer und Hörer gleichermaßen reizvoll sind, erfordert viel Zeit und Geschmack. Letzteres hat Kammermeier, sonst hätten die Zuschauer nicht so gebannt gelauscht und bereitwillig mitgeklatscht wie beim eindrucksvollen Finale „Und die Welt steht still“. „Denn hier auf der Erde unter den Bäumen bist du zu Haus, lausche und öffne die Seele“, geben die Normen den begeisterten Zuschauern noch mit.